Mittwoch, 19. Juli 2017

Lofoten

Es regnete und die Wolken hingen tief über Svolvaer. Früh zu einer Tour aufzubrechen war ausgeschlossen. Dafür hatte ich Zeit das Frühstücksbuffet zu geniessen:  warmes Brot, mit salziger Butter und Lachs. Ich vertraute der Wetterprognose und brach Mitte  Nachmittag zum Tjelbergtinden auf. Tatsächlich blieb ich trocken. Lange war  es ein turnschuhtauglicher Weg, plötzlich wurde es aber steil und am Schluss musste man sogar ein paar Meter kraxeln. Die 360-Grad-Aussicht war wunderschön, aber der Wind war zu kühl um länger auf dem Gipfel zu verweilen.
Am  nächsten Morgen war es wieder nass. Ich wollte noch um die Bucht joggen, bevor ich am Mittag nach Leknes und Ballstad weitereiste. Auf der anderen Seite der Bucht (100m Luftlinie von meinem Hotelzimmer, aber 3km zum Umlaufen) standen ganz viele Holzdreiecke. Sie erinnerten mich erst an Lawinenverbauungen. Bald habe ich aber herausgefunden, dass auf diesen Gestellen Fisch getrocknet wird.
Am Nachmittag reiste ich weiter nach Ballstad. In Leknes musste ich 1h auf den Anschluss warten, Ballstad befindet sich nicht auf der E10, die Hauptstrasse der Lofoten. Als Tourist weiss man jedoch nicht, dass der Bus beide Buchtseiten bedient und steigt halt irgendwo aus, denn der Busfahrer kann kein Englisch. Ich war also in Ballstadøja anstatt Ballstad und musste diesmal mit schwerem Rucksack 5km auf die andere Seite der Bucht gehen. Ein bisschen genervt kam ich in der Hattvikalodge an. Aber die Laune wurde ob der schönen Unterkunft gleich wieder besser: Ein Schlafsaal mit sauberer Toilette und Küche in einem Rorbu (altes Fischerhaus) direkt am Wasser. Man konnte also im Pijama vor die Tür und die Morgen-/Abend- oder Mitternachtssonne geniessen. Ich hatte das Gefühl als würde sich die Sonne endlos um unser Rorbu drehen. Einzig ein paar Wolken verdeckten manchmal kurz die Sonne. Ich wollte noch was essen, aber im einzigen Restaurant in der Nähe hatte die Küche gerade geschlossen (um 20h!) . Sie liessen mich aber nicht verhungern, sondern haben mir noch einen warmen Toast serviert. Die Norweger haben einen anderen Rhythmus: Kein Kaffee öffnet vor 8 Uhr (oder auch 10) und die Restaurants schliessen um 21 Uhr.
Am nächsten Morgen bin ich nach dem Müesli auf dem sonnigen Steg nach Unstad auf der Nordseite der Insel aufgebrochen. Die ersten beiden Busverbindungen haben geklappt, die dritte fährt jedoch nicht während den Schulferien und auf dem Internet gibt es keinen Fahrplan. Per Autostopp bin ich dann doch nach Unstad gekommen. Ein weisser Sandstrand mit tollen Wellen. Ich habe nur zugeschaut , kälteresistentere Surfer waren aber im Wasser. Ich bin stattdessen an der steilen  Küste entlang bis nach Eggum spaziert oder besser gekraxelt. Für einen Weg, der in allen Touristenführern erwähnt wird, war es ganz schön unwegsam und schlecht markiert. Wir sind wohl einfach zu verwöhnt mit unseren Schweizer Wanderwegen. Am liebsten waren mir die Abschnitte mit Schafen, dort war es nicht so steil und rutschig und man konnte den Blick auch mal in die Ferne schweifen lassen. Ebenfalls per Autostopp kam ich wieder zurück nach Ballstadøja. Von da wollte ich noch auf den Hügel oberhalb des Dörfchens steigen. Ich hatte mir nur die erste Stufe vorgenommen, aber die Aussicht wurde so schön, dass ich doch noch ganz zum Gipfel Ballstadheja hinaufstieg. Die Aussicht oben war grandios. Unten musste ich leider noch einmal um die Bucht marschieren, da der nächste Bus erst in 2h gekommen wäre. Ich war froh endlich wieder im  Rorbu anzukommen und die Wanderschuhe auszuziehen, ich war über 30km gewandert.
Ankunft im nass-kalten Svolvaer

Blick auf Svolvaer



Aussicht vom Tjelbergtinden






Mitternachtsschlummertrunk auf dem Steg vor dem Rorbu


Unstad Arctic Surf


Aussicht auf Ballstad



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen