Am Samstagmorgen
machten wir Interrailer, Sophie, Leonie und ich uns auf den Weg nach Oslo. Nachdem
wir unsere grossen Rucksäcke im Hostel abgestellt hatten, fuhren wir mit der
Tunnelbana bis zum Holmenkollen. Schon von der Station aus hat man eine tolle
Aussicht, sie wird aber noch viel besser wenn man erst die steilen Stufen der
Skisprungschanze hochsteigt. Die schanze ist sehr steil und die Vertiefung
unten („the bowl“) lässt alles noch krasser wirken. Die Springer sollen aber natürlich
noch im Steilhang landen und die Vertiefung und der Gegenhang dienen zum
Bremsen. Im Fernsehen sieht das alles aber irgendwie flacher aus. Der aktuelle
Schanzenrekord liegt bei 141m! Ganz oben auf die Schanze darf man nur mit dem
Museumseintritt oder wer den Tiroliennesprung macht. Wir haben uns mit der
Aussicht von den Tribünen begnügt und dann noch die kleinere Schanze und die
Biathlonarena erkundet. Die Winterloipen sind im Sommer geteerte Rollskipisten,
aber ganz schön kurvig und hügelig. Als Tourist muss man vor allem aufpassen
nicht im Weg zu stehen. Am Abend haben wir am Wasser auf dem schrägen Operndach
gepicknickt. Am nächsten Morgen sind wir durchs Stadtzentrum und das alte Fort
gestreift und haben die letzten norwegischen Kronen ausgegeben, bevor wir nach
Göteborg weiterreisten. Ich hatte noch 2 Tage Zeit in Göteborg, Sophie und Leonie
reisten bereits direkt nach Kopenhagen.
Mit dem schweren
Rucksack und hungrig kam es mir ziemlich weit vor bis zum Vandrarhem am
Linnéplatsen. Nach einigem Suchen habe ich doch noch ein warmes Znacht bekommen
und nachher die Ruhe und das schnelle Wifi in der Jugi genutzt um endlich den
Fragebogen für die Facharbeit online zustellen. Das Erstellen der Umfrage auf
dem Tablet war eine Geduldsprobe. Am nächsten Tag habe ich ausgeschlafen und
nach einem guten Frühstück hatte ich dann auch wieder Energie Göteborg zu
erkunden. Ich bin der Linnégatan entlang zum Ufer des Götaälv spaziert, von da
zur Oper und zum Hafen Lillabommen und dann ins Zentrum. Dort war ich im
grössten Einkaufzentrum des Nordens. Dort gibt es Säulen mit Touchscreen-Standortbestimmern
und -wegweisern! Nachher habe ich die Sonne genossen und im Trädgard mit einem
guten Buch in Gras gelegt. Später habe ich auch noch die verschiedenen
Gewächshäuser besucht. Dann bin ich der Avenyn gefolgt, eine risie Strasse bis
zu den eindrücklichen Gebäuden des Kunstmuseums und Gallerien. Der Eintritt
wäre gratis, aber am Montag war alles zu. Der Besuch der Bibliothek war aber
auch interessant: Wie bereits in Bodö und Narvik war die Bibliothek riesig und
ein Ort zum Wohlfühlen für Gross und Klein. Es gibt Bücher in allen Sprachen
und für die Kinder gibt es Puppenhäuser, Hüpfecken, Märchenschlösser und für die
Erwachsenen gemütliche Sessel, Kaffee und selber gemachten Kuchen. Gegen Abend bin ich noch durch das Haga-Quartier
spaziert. Dort hat es mir besonders gut gefallen, das sind alte etwas kleinere
Häuser, jeweils nur der unterste Stock aus Stein, die zwei oberen aus Holz. Und
alles bunt angemalt. Ausserdem gibt es dort viele kleine Gallerien und
Handwerkergeschäfte, Boutiquen für faire Mode und heimelige Cafés. Diesen Abend
war ich früher dran und es war nicht schwer ein feinen Znacht zu finden.
Eigentlich ist die Linnégatan bekannt für ihr reichhaltiges kulinarisches
Angebot, man darf halt einfach nicht so spät kommen…
Direkt vor dem
Vandrarhem am Linnéplatsen befindet sich der Slottsskogen. Ein riesiger Park
mit Tierpark (djurpark). Ich wollte rasch zu den Elchen, denn wild habe ich
noch keinen zu Gesicht bekommen. Auch abgesehen von den Elchen ist der Park
einen Besuch wert. Der schärenartig felsige Hügel mit ganz viel Grün ist eine
tolle Abwechslung zur Grossstadt und ich
konnte so mein Tiervokabular weiterüben😊:
en elg Elchen sjohäst Seepferdchen
en dugong Seekuh
Nachher wollte
ich den Götaälv und das Nordufer erkunden. Mit einer gratis download Stadtführung
habe ich meine ganz private Tour gemacht. Vom Hafen Lilla Bommen habe ich mit
dem Älvsnabben nach Lindholmen übergesetzt. Die Stadt hat besonders viel Charme
vom Wasser aus, leider dauert die Überfahrt nur kurz. Am Nordufer standen einst
drei Schiffswerften, welche aber in der Werftkrise in den 70ern dichtmachten. Seither
hat sich das Nordufer stark verändert. Der freigewordene Platz wird nun für moderne
Wohnungen sowie Bildung und Forschung genutzt. Vom modernen Campus Lindholmen
bin ich auf den Slottsberget spaziert. Da wohnten einst die Werftarbeiter in
ärmlichen Häuschen zwischen viel Lärm und Rauch. Heute jedoch sind die Häuschen
liebevoll restauriert und freundlich bunt bemalt und es muss eine herrliche und
ruhige Wohnlage mit toller Aussicht aufs Wasser sein. Ich flanierte weiter dem
Ufer entlang bis nach Eriksberg, wo der riesige rote Balken steht. Auch hier
gibt es viel neuen Wohnraum, die grossen Hallen werden als Konzertsääle oder
Hotels gebraucht und das Ufer gehört den Spaziergängern und Sonnenanbetern. Ich
habe ein Geheimtipp-Plätzchen am Wasser entdeckt und mit den Einheimischen das
Sommerwetter genossen.
Am Abend war es
Zeit für die Rückreise. Mit Ersatzbus
aus Göteborg hinaus, dann Umsteigen auf den Zug nach Kopenhagen, diesmal leider
ohne Fähre. Von Kopenhagen im ungemütlichen Sitzwagen nach Hamburg, wo wir
verfrüht um 4Uhr irgendetwas ankamen. Zum Glück hat McDonalds 24h geöffnet, so
dass man drinnen warten konnte. Kurz nach 6 ging es weiter bis Basel. Ein
Vorteil des langsam Reisen: man kann sich auf das Ankommen daheim einstellen
und der Kulturschock bleibt aus. Die grüne hügelige Landschaft hier um Baden
Baden erinnert mich schon sehr an die Schweiz, fehlen nur noch die Kühe und
Schneeberge. Jetzt nur nicht vergessen ein Billet bis Bern zu lösen, Interrail
gilt im eigenen Land nicht...








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